A1-Milch (Milch mit A1-beta-Caseinvarianten) wird ein negativer Einfluss auf das Immunsystem unterstellt. Dieser wird aus Studienergebnissen abgeleitet, die bei Tieren und Menschen gewonnen wurden, die aber nach kritischer Überprüfung externer Gutachter (z. B. Kompetenzzentrum für Ernährung, Cochrane Deutschland, andere Wissenschaftler) zum großen Teil gravierende Mängel aufwiesen. Deshalb befürworteten die Gremien von milch.bayern im Oktober 2020 die finanzielle Unterstützung eines Projektes in diesem Bereich, welches vom Lehrstuhl für Physiologie, Tierärztliche Fakultät der LMU München, mit Start am 1. November 2020 durchgeführt wurde.
Gegenstand der Studie
Im Zentrum des ersten Forschungsprojekts stand die Wirkung von BCM-7, einem Spaltprodukt des beta-Caseins, das vorwiegend bei der Verdauung von A1-Milch entstehen und über Opioidrezeptoren wirken soll. BCM-7 wird in der Forschungsliteratur dafür verantwortlich gemacht, Immunabwehrmechanismen durch Hemmung der Lymphozytenproliferation im Darm zu beeinträchtigen. Diese Mechanismen wurden in der Studie bei Darm-Immunzellen unter anderem von Rindern und Menschen erforscht.
Bisherige Forschungsergebnisse
Bei den Rindern kam es durch die Zugabe von BCM-7 entweder zu keinem Effekt oder sogar zu einer Steigerung der Proliferation. Bei den Untersuchungen zur Aktivierung primärer Immunzellen des Menschen durch BCM-7 zeigte sich, dass keine der eingesetzten BCM7-Konzentrationen einen signifikanten Effekt auf die PBMC-Proliferation hatte. (PBMC steht für peripheral blood mononuclear cells; so werden einkernige Blutzellen bezeichnet, die einen runden Zellkern besitzen, z.B. Lymphozyten.) Die Erkenntnisse des Projekts wurden auch in einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks aufgegriffen. Detaillierte Ergebnisse können von unseren Mitgliedern im geschützten Mitgliederbereich unter „Projektberichte Forschung und Wissenschaft“ nachgelesen werden.
Wie geht es weiter?
Aktuell läuft ein Folgeprojekt. Bis zum Sommer 2023 soll untersucht werden, welche Auswirkungen von A1- und A2-Milch von Opioidrezeptoren unabhängig sind. Es sollen Komponenten des Immunsystems identifiziert werden, die neben dem opioidergen System mit BCM-7 oder den Spaltprodukten von A2-Milch interagieren. So sollen immunstimulierende und entzündungshemmende Mechanismen sowie mögliche diesbezügliche Unterscheidungen zwischen dem Immunsystem im Blut und im Darm gefunden werden. Von besonderem Interesse ist dabei, welche Komponente der Milch für den in den Vorarbeiten beobachteten antientzündlichen Effekt verantwortlich sein könnte; es werden die Unterschiede zwischen roher und „verdauter“ A2-Milch erforscht.



